{"id":306,"date":"2014-03-21T14:38:43","date_gmt":"2014-03-21T12:38:43","guid":{"rendered":"http:\/\/www.xn--regina-jck-x5a.de\/?p=306"},"modified":"2014-03-21T14:38:43","modified_gmt":"2014-03-21T12:38:43","slug":"bewegende-begegnung-am-rande-einer-ausstellungseroeffnung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.xn--regina-jck-x5a.de\/dx\/2014\/03\/bewegende-begegnung-am-rande-einer-ausstellungseroeffnung\/","title":{"rendered":"Bewegende Begegnung am Rande einer Ausstellungser\u00f6ffnung"},"content":{"rendered":"<p>Im Rahmen der Er\u00f6ffnung der Ausstellung Thema \u201eEuthanasie \u2013 Die Morde an Menschen mit Behinderungen und psychischen Erkrankungen in Hamburg im Nationalsozialismus\u201c im Hamburger Rathaus traf Frau J\u00e4ck auf Petra R\u00f6der, die Nichte eines Opfers der Verbrechen der Nationalsozialisten. Die Tante von Petra R\u00f6der war Dorothea Kasten, deren Lebenslauf auch f\u00fcr die Ausstellung aufbereitet wurde.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Dorothea Kasten wurde am 6. M\u00e4rz 1907 in Hamburg geboren. Wegen ihrer geistigen Behinderung war sie in den Alsterdorfer Anstalten untergebracht, wo sie sich zuhause f\u00fchlte. Trotz ihrer geistigen Behinderung konnte sie kleine Arbeiten verrichten, z. B. half sie den Schwestern, das Fr\u00fchst\u00fcck zuzubereiten. Sie spielte sogar Harmonium, aber sie konnte nicht selbstst\u00e4ndig leben. Ihre Mutter besuchte sie h\u00e4ufig.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Am 16. August 1943 wurde Dorothea Kasten zusammen mit 227 anderen Frauen und M\u00e4dchen direkt aus den Alsterdorfer Anstalten in die Heilanstalt Steinhof\/Wien verlegt. Die Heilanstalt Steinhof diente der &#8220;stillen Euthanasie&#8221;, nachdem die erste Phase der &#8220;Euthanasie&#8221; 1941 wegen \u00f6ffentlicher Proteste beendet worden war. Ihr wurden nicht zwangsl\u00e4ufig alle Angekommenen unterworfen; die Arbeitsf\u00e4higen blieben am Leben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Im Mai 1944 fuhr Dorothea Kastens Mutter nach Wien, um ihre Tochter zu besuchen. Sie fand sie in einem erbarmungsw\u00fcrdigen Zustand vor. Von 49 kg K\u00f6rpergewicht bei ihrer Abreise war sie auf 33 kg abgemagert. Dorothea Kasten wollte, dass ihre Mutter sie mit zur\u00fcck nach Hamburg n\u00e4hme. \u201eDoch meine Mutter kam mit ihrem Wunsch nicht durch bei den Amts\u00e4rzten. Sie erkl\u00e4rten ihr, dass meine Schwester an einer Darmfistel leide und schlugen ihr vor sie einzuschl\u00e4fern. Nach harten Kampf hat meine Mutter eingewilligt, ihr Kind in die geistige Welt zur\u00fcckzuschicken.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Meine Mutter kaufte f\u00fcr alle Kuchenmarken S\u00fc\u00dfigkeiten und Kuchen. Sie tranken zusammen Kaffee um 14.00 Uhr. Diesen Zeitpunkt hatten die \u00c4rzte angegeben. Wahrscheinlich hatte meine Schwester schon vorher eine Spritze bekommen, denn nachdem sie mit Freude und Vergn\u00fcgen ihren Kuchen aufgegessen hatte, meinte sie \u201aJetzt bin ich m\u00fcde und will schlafen, vergiss nicht, mich mitzunehmen\u2019.&#8221; (zitiert aus einem Brief der Schwester von Dorothea Kasten vom 28.2. 1985). Frau Kasten konnte ihre Tochter im Sarg mit nach Hamburg nehmen und beerdigen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der Name der Stra\u00dfe, die zum Haupteingang der Alsterdorfer Anstalten f\u00fchrt, h\u00e4lt die Erinnerung an Dorothea Kasten fest.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Rahmen der Er\u00f6ffnung der Ausstellung Thema \u201eEuthanasie \u2013 Die Morde an Menschen mit Behinderungen und psychischen Erkrankungen in Hamburg im Nationalsozialismus\u201c im Hamburger Rathaus traf Frau J\u00e4ck auf Petra R\u00f6der, die Nichte eines Opfers der Verbrechen der Nationalsozialisten. 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