{"id":1099,"date":"2022-01-18T14:50:46","date_gmt":"2022-01-18T12:50:46","guid":{"rendered":"https:\/\/www.xn--regina-jck-x5a.de\/?p=1099"},"modified":"2022-01-18T14:50:46","modified_gmt":"2022-01-18T12:50:46","slug":"dokumentationszentrum-denk-mal-hannoverscher-bahnhof-wird-an-einem-eigenstaendigen-standort-am-lohsepark-realisiert","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.xn--regina-jck-x5a.de\/dx\/2022\/01\/dokumentationszentrum-denk-mal-hannoverscher-bahnhof-wird-an-einem-eigenstaendigen-standort-am-lohsepark-realisiert\/","title":{"rendered":"Dokumentationszentrum denk.mal Hannoverscher Bahnhof wird an einem eigenst\u00e4ndigen Standort am Lohsepark realisiert"},"content":{"rendered":"<p><strong>Einigung im Rahmen des Mediationsverfahrens<\/strong><\/p>\n<p>Das Dokumentationszentrum denk.mal Hannoverscher Bahnhof wird nun an einem eigenst\u00e4ndigen Standort am Lohsepark in der zentralen HafenCity realisiert. Es soll in n\u00f6rdlicher Verl\u00e4ngerung des Gedenkortes, der st\u00e4dtebaulichen Fuge, entstehen, die den historischen Gleisverlauf kennzeichnet, von dem aus zwischen 1940 bis 1945 \u00fcber 8.000 Juden, Roma und Sinti von Hamburg aus deportiert wurden. Urspr\u00fcnglich sollte das Dokumentationszentrum im Erdgeschoss eines Geb\u00e4udes Am Lohsepark, Ecke Steinschanze entstehen. Hieran gab es Kritik, nachdem bekannt wurde, dass der Bauherr die verbleibenden B\u00fcrofl\u00e4chen oberhalb des geplanten Dokumentationszentrums an die Wintershall Dea AG vermietet hatte. Im M\u00e4rz 2021 hatte darauf die Beh\u00f6rde f\u00fcr Kultur und Medien ein Mediationsverfahren initiiert, in dessen Rahmen nun unter der Leitung der Pr\u00e4sidentin des Hamburgischen Verfassungsgerichts, Birgit Vo\u00dfk\u00fchler, eine einvernehmliche Einigung gefunden worden ist. <\/p>\n<p>Das Dokumentationszentrum soll erg\u00e4nzend zu dem 2017 eingeweihten Gedenkort als zentraler Lernort das Deportationsgeschehen in die Geschichte der nationalsozialistischen Verfolgung einbetten. Es wurde seit 2017 an dem Standort Am Lohsepark \/ Steinschanze in einem von der M\u00fcller-Spreer &#038; Co Am Lohsepark KG errichteten B\u00fcrogeb\u00e4ude auf der Erdgescho\u00dffl\u00e4che geplant, die Er\u00f6ffnung war f\u00fcr 2023 vorgesehen. In die Planungen waren von Anfang an Vertreterinnen und Vertreter der Rom und Cinti Union, des Landesvereins der Sinti, des Auschwitz Komitee in der B.R.D. und der J\u00fcdischen Gemeinden sowie der Initiative Stolpersteine einbezogen. <\/p>\n<p>Als Anfang 2021 bekannt wurde, dass der Bauherr die B\u00fcrofl\u00e4chen oberhalb des geplanten Dokumentationszentrums an die Wintershall Dea AG vermietet hatte, erhob sich Protest, da die Vorg\u00e4ngerfirmen der 2019 fusionierten Firmen, Wintershall und DEA, als f\u00fcr die Kriegswirtschaft strategisch wichtige Unternehmen von der Macht\u00fcbernahme der Nationalsozialisten profitiert haben. So wurden in beiden Unternehmen Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter eingesetzt und ausgebeutet. Eine unmittelbare Nachbarschaft des Dokumentationszentrums mit Wintershall Dea war deshalb aus Sicht der Verb\u00e4nde ehemals Verfolgter und ihrer Angeh\u00f6rigen nicht vorstellbar.<\/p>\n<p>In dem Mediationsverfahren zeigte sich, dass eine L\u00f6sung unter Beibehaltung der gegebenen Konstellation nicht zu erreichen war. Die Verfolgtenverb\u00e4nde sprachen sich daher daf\u00fcr aus, einen alternativen Standort f\u00fcr das Dokumentationszentrum zu pr\u00fcfen. Dieser Ansatz hat zum Erfolg gef\u00fchrt. Auf Initiative von Herrn M\u00fcller-Spreer ist es gelungen, einen Weg f\u00fcr die Realisierung des Dokumentationszentrums als Solit\u00e4r an einem geeigneten Standort zu finden. Herr M\u00fcller-Spreer hat zugesagt, auf eigene Kosten f\u00fcr das Dokumentationszentrum ein alleinstehendes Geb\u00e4ude f\u00fcr die Stadt zu errichten und ihr zu \u00fcbergeben. Es ist geplant, dass die Stadt f\u00fcr das zweigeschossige Geb\u00e4ude ein Grundst\u00fcck an der in die Innenstadt f\u00fchrenden Ericusbr\u00fccke am n\u00f6rdlichen Ende des Lohseparks zur Verf\u00fcgung stellt. Das Dokumentationszentrum enth\u00e4lt eine gleichwertige Ausstellungsfl\u00e4che wie im bisherigen Entwurf vorgesehen und dar\u00fcber hinaus notwendige Seminarr\u00e4ume, Arbeitsr\u00e4ume und Verkehrsfl\u00e4chen. Wie auch zuvor geplant, wird die \u00f6ffentliche Hand den Innenausbau und den Einbau der von der Stiftung Hamburger Gedenkst\u00e4tten und Lernorte erarbeiteten Ausstellung \u00fcbernehmen. Durch die Lage des k\u00fcnftigen Dokumentationszentrums in n\u00f6rdlicher Verl\u00e4ngerung des Gedenkortes, der Fuge, die den historischen Gleisverlauf kennzeichnet, und des Lohseplatzes, als ehemaligem Vorplatz des Hannoverschen Bahnhofs entsteht aus Sicht aller ein \u00fcberzeugendes und schl\u00fcssiges Ensemble. Die inhaltliche Ausrichtung der unter dem Titel \u201eIn aller \u00d6ffentlichkeit\u201c vorgesehenen Ausstellung wird dadurch gest\u00e4rkt.<\/p>\n<p>Die Solit\u00e4r-L\u00f6sung erfordert ein Bebauungsplanverfahren und einen Gestaltungswettbewerb f\u00fcr das Geb\u00e4ude. Das Verfahren soll in diesem Jahr starten, so dass das Dokumentationszentrum voraussichtlich im Jahr 2026 er\u00f6ffnet werden kann.<\/p>\n<p>Die Vertreterinnen und Vertreter der Verfolgtenverb\u00e4nde und die weiteren Beteiligten am Mediationsverfahren begr\u00fc\u00dfen das Angebot von Herrn M\u00fcller-Spreer, ein alleinstehendes Dokumentationszentrum f\u00fcr die Stadt zu errichten, und halten dies f\u00fcr eine gute L\u00f6sung. Damit hat das Mediationsverfahren aus Sicht aller Beteiligten ein gutes Ergebnis erzielt und ist erfolgreich abgeschlossen.<\/p>\n<p>Dr. Carsten Brosda, Senator f\u00fcr Kultur und Medien: \u201eUns war von Beginn an wichtig, das Dokumentationszentrum im engen Austausch mit den Verb\u00e4nden zu realisieren. Insofern bin ich froh, dass wir dank des Mediationsverfahrens nun eine L\u00f6sung gefunden haben, mit der wir diesen wichtigen Ort des Erinnerns weiter gemeinsam umsetzen k\u00f6nnen. Ich danke allen Beteiligten f\u00fcr die konstruktive Zusammenarbeit unter der Mediation von Birgit Vo\u00dfk\u00fchler. Die L\u00f6sung bietet die Chance, dass Gedenken an diesem f\u00fcr Hamburg so wichtigen und zentralen Ort zu st\u00e4rken und so die \u00f6ffentliche Auseinandersetzung mit den Verbrechen zu f\u00f6rdern, die, wie es in der Ausstellung hei\u00dft, in aller \u00d6ffentlichkeit begangen wurden.\u201c<\/p>\n<p>Birgit Vo\u00dfk\u00fchler, Pr\u00e4sidentin des Hamburgischen Verfassungsgerichts: \u201eDie Beteiligten haben die M\u00f6glichkeiten, die ein Mediationsverfahren bietet, hervorragend genutzt und gemeinsam eine L\u00f6sung erarbeitet, die auf Dauer tragf\u00e4hig ist.\u201c<\/p>\n<p>Harm M\u00fcller-Spreer, Projektentwickler M\u00fcller-Spreer AG: \u201eIch bedanke mich bei der Pr\u00e4sidentin des Hamburgischen Verfassungsgerichts, Frau Birgit Vo\u00dfk\u00fchler, f\u00fcr Ihr Engagement. Unter ihrer Leitung wurde es w\u00e4hrend der Mediation m\u00f6glich, gepr\u00e4gt von gegenseitigem Verst\u00e4ndnis, verloren gegangenes Vertrauen wieder herzustellen. Ich bedanke mich bei allen Beteiligten des Verfahrens f\u00fcr die konstruktive Mitarbeit, ohne die eine Realisierung des heute vorgestellten Gedenkortes nicht denkbar sein w\u00fcrde.\u201c<\/p>\n<p>Dr. Oliver von Wrochem, Leiter des Projekts denk.mal Hannoverscher Bahnhof: \u201eDie Stiftung Hamburger Gedenkst\u00e4tten und Lernorte zur Erinnerung an die Opfer der NS-Verbrechen, die den Betrieb des neuen Dokumentationszentrums \u00fcbernehmen wird, begr\u00fc\u00dft die einvernehmlich gefundene L\u00f6sung. In der Zeit bis zur Er\u00f6ffnung werden wir mit Teilausstellungen, digitalen und k\u00fcnstlerischen Pr\u00e4sentationen sowie Veranstaltungen zur Geschichte der Deportationen, ihren Voraussetzungen und Folgen Inhalte des Dokumentationszentrums \u00f6ffentlich vorstellen. Wir freuen uns auf die weitere Zusammenarbeit mit allen Beteiligten und gehen davon aus, dass unsere Expertise in den nun anstehenden Neuplanungen Geh\u00f6r findet.\u201c <\/p>\n<p>Dr. Andreas Kleinau, Vorsitzender der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung der HafenCity Hamburg GmbH: \u201eWir freuen uns au\u00dferordentlich, dass in einem konstruktiven Dialog ein f\u00fcr alle Beteiligten \u00fcberzeugendes Ergebnis erzielt wurde. Das Dokumentationszentrum erh\u00e4lt als eigenst\u00e4ndiges Geb\u00e4ude im Norden des Lohseparks eine noch h\u00f6here Sichtbarkeit und bettet sich zugleich sehr gut in das Gesamtkonzept des Erinnerungsortes denk.mal Hannoverscher Bahnhof ein. So kann das gesamte Ensemble zu einem lebendigen Ort des Gedenkens inmitten des \u00f6ffentlichen Lebens in der HafenCity werden.\u201c<\/p>\n<p>Helga Obens, Auschwitz-Komitee in der Bundesrepublik Deutschland e. V.: \u201eWeil alle es wollten, konnte eine L\u00f6sung gefunden werden f\u00fcr das Dokumentationszentrum am Gedenkort Hannoverscher Bahnhof. Esther Bejarano, die verstorbene Vorsitzende des Auschwitz-Komitees, war eine wichtige Stimme in dieser Entwicklung. Zugleich m\u00fcssen wir feststellen, dass nach wie vor in Hamburg kein Gesamtkonzept f\u00fcr die Sicherung und Pr\u00e4sentation der Erinnerungsorte erkennbar ist. Zuk\u00fcnftig erwarten wir, dass Politik und Senat die Entscheidung \u00fcber die Hamburger Erinnerungskultur nicht mehr an private Investoren delegiert.\u201c<\/p>\n<p>Peter Hess, Initiative Stolpersteine: \u201eDa ich mich pers\u00f6nlich seit vielen Jahren f\u00fcr die Durchsetzung dieses Vorhabens eingesetzt habe, freut es mich besonders, dass in das neue eigenst\u00e4ndige Geb\u00e4ude die \u00fcber viertausend Biografien der ehrenamtlichen Forscherinnen und Forscher aus unserer Initiative einflie\u00dfen k\u00f6nnen und einen angemessenen Platz haben werden. Ich begr\u00fc\u00dfe sehr, dass eine alle Seiten befriedigende L\u00f6sung gefunden wurde.\u201c<\/p>\n<p>David Rubinstein, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der J\u00fcdischen Gemeinde in Hamburg: \u201eMit dieser Einigung kommen wir alle gemeinsam einen Schritt n\u00e4her zu einem Dokumentationszentrum der Erinnerung und der Lehre. Die Vision und die Herzensangelegenheit vieler Menschen erf\u00fcllen sich dadurch. Es ist ein wichtiger Schritt in Richtung einer aktiven Erinnerungskultur der Zeichen und nicht eines reinen Rituals. Wir als J\u00fcdische Gemeinde in Hamburg begr\u00fc\u00dfen diesen Schritt sehr.\u201c<\/p>\n<p>Arnold Wei\u00df, Landesverein der Sinti in Hamburg e. V.: \u201eWir sind froh, dass unser Protest gegen die Zumutung, die Erinnerung an unsere Deportierten und Ermordeten im Erdgeschoss der Firmenzentrale eines mit den Nazi-Verbrechen verbundenen Konzerns unterzubringen, gewirkt hat. Wir hoffen, dass die Stadt daraus die Konsequenz zieht, dass das notwendige Gedenken nicht privatisiert werden darf.\u201c<\/p>\n<p>Galina Jarkova, Liberale J\u00fcdische Gemeinde in Hamburg: \u201eWir, die Liberale J\u00fcdische Gemeinde Hamburg, freuen uns, dass wir gemeinsam zu diesem guten und schnellen Ergebnis gekommen sind. Dass wir heute den j\u00fcdischen Feiertag Tu bi Schwat, das Neujahrsfest der B\u00e4ume, feiern, l\u00e4sst uns das Ergebnis als gutes Zeichen f\u00fcr den Beginn sehen und auf ein gutes Gelingen f\u00fcr die Stadtgesellschaft hoffen.\u201c <\/p>\n<p>Rudko Kawczynski, Vorsitzender Rom und Cinti Union e. V.: \u201eWir begr\u00fc\u00dfen den Vorschlag, ein eigenst\u00e4ndiges Dokumentationszentrum als zweist\u00f6ckiges Geb\u00e4ude an der in die Innenstadt f\u00fchrende Ericusbr\u00fccke, am n\u00f6rdlichen Ende des Lohseplatzes, zu errichten. (\u2026)\u201c [Ausf\u00fchrliches Zitat siehe Stellungnahme]<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Einigung im Rahmen des Mediationsverfahrens Das Dokumentationszentrum denk.mal Hannoverscher Bahnhof wird nun an einem eigenst\u00e4ndigen Standort am Lohsepark in der zentralen HafenCity realisiert. 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